Kreuzbandriss - TPLO

| Unsere Fly begann Anfang 2000
im Alter von 2 Jahren und 3 Monaten hinten rechts zu hinken. Es wurde dann
leichte HD per Röntgenbild diagnostiziert. Seitdem haben wir eine kleine
Odyssee an Tierärzten hinter uns. Fly wurde 2x an der Hüfte operiert
(Nervenschnitt, Muskelentfernung) und bekam zuletzt auch noch Gold implantiert.
Doch sie lahmte weiter.... für Januar 2003 stand dann ein Termin in
der Uniklinik Zürich fest - für ein künstliches Hüftgelenk.
Im November 2002 war es dann so weit, dass sie hinten rechts überhaupt
nicht mehr auftrat. Wir sehnten den Januar und den OP-Termin herbei, aber
ich dachte, Fly kann nicht zwei Monate so leben, mit permanenten, heftigen
Schmerzen. Also musste ein Schmerzmittel her.
Ich fuhr mit Fly zu einer Tierarztpraxis im Nachbarort, wieso ich dort
vorher nie war, kann ich mir nicht mehr erklären.... auf jeden Fall
wollte uns der Arzt, Dr. Meurer, nicht einfach ein Schmerzmittel geben,
sondern Fly auch untersuchen, womit ich natürlich einverstanden war.
Ja, und hierbei stellte er eine massive Schwellung des rechten Knies fest,
er tippte auf ein gerissenes Kreuzband.... Eine Woche später wurde
Fly in Narkose gelegt und tatsächlich, Dr. Meurer konnte die sogenannte
Schublade (Schieben des Ober- und Unterschenkels gegeneinander - sollte
nur in Narkose gemacht werden, da ansonsten äußerst schmerzhaft
für den Hund!) bei Flys Bein auslösen!!! Dr. Meurer selbst operiert
Kreuzbandrisse nach der herkömmlichen, konventionellen Methode, d.h.,
künstlicher Ersatz des Bandes. Erfahrungsgemäss reißt ein künstliches
Band aber irgendwann auch wieder und der Eingriff ist erneut notwendig.
Wir wurden gefragt, ob wir einen längeren Heilungsverlauf und höhere
Kosten im Kauf nehmen würden, wenn das Ergebnis den Rest des Hundelebens
hält. Wir waren hierzu bereit und Fly wurde zur Tierklinik Wiesloch
überwiesen - zur TPLO (Tibia plateau leveling osteotomy). Ein gesundes, vorderes Kreuzband hat die Aufgabe, das Gegeneinandergleiten von Ober- auf Unterschenkel zu verhindern. Fehlt es, findet genau dieses statt und verursacht enorme Schmerzen, unter anderem auch dadurch, dass beim Vorwärtsgleiten der hintere Anteil des Meniskus gequetscht wird. . Bei der TPLO wird nun ein Knochenschnitt im Schienbeinkopf durchgeführt, welcher mit einem patentierten, bogenförmigen Sägeblatt vorgenommen wird. Der Schienbeinkopf wird dann rotiert und mittels einer speziellen TPLO-6-Loch-Platte am Unterschenkel wieder fixiert. Durch diese neue Stellung, bzw. der Veränderung der Biomechanik des Gelenkes, die nun Unter- und Oberschenkel zueinander haben, wird kein Vorwärtsgleiten mehr ausgelöst und somit entstehen auch keine Schmerzen mehr! Vorraussetzung für die Durchführung der TPLO ist ein gewisser Neigungswinkel (15° - 20°) des Unterschenkels zur Knochenachse, welcher über ein Röntgenbild ermittelt wird. TPLO ist eine patentierte,
chirurgische Methode, von einem amerikanischen Tierarzt entwickelt (Dr.
Slocum); lediglich Chirurgen, die an speziellen Seminaren hierfür
teilgenommen haben, erhalten die Knochensäge und die Berechtigung,
diese OP durchzuführen. Momentan wird die TPLO in ca. 10 Kleintierkliniken
in Deutschland ausgeführt.
Als ich sah, was da unter dem Verband zum Vorschein kam, bin ich erschrocken: Ein kahl rasiertes, dünnes, zierliches Beinchen, so komplett ohne Muskeln... aber alles ganz normal!! Und das Tolle: Fly belastete das Bein sofort, zwar hinkend, aber sie belastete! Die nächsten drei Wochen wurden nochmals sehr schwer, immer noch Leinenpflicht, Gassigänge durften maximal 10 Minuten betragen. Fly wurde von Tag zu Tag fitter, wollte rennen, toben und spielen. In unseren Köpfen war noch immer die Angst um die Wunde, um den Knochenschnitt.... Dann nach insgesamt
fünf Wochen nach der OP erfolgte die Röntgenkontrolle des Beines.
Dies war an Silvester 2002. Ein Tag voller Freude für uns!!! Das
Röntgenbild ergab einen optimalen Befund!!! Die Platte war ideal
mit dem Knochen verwachsen, und auch an der Schnittstelle hatte sich sichtbar
viel Gewebe gebildet!!! Dr. Meurer sah für den Knochen keinerlei
Gefahr mehr!!! Von da an ging es aufwärts!! Steigernde Gassigänge,
viel Trab zur Kräftigung der Muskulatur! Am Schlimmsten hierbei ist zu wissen, dass Fly seit drei Jahren Schmerzen hatte, sich an Schmerzen gewöhnt hat, damit gelebt hat... dies macht mir immer wieder ein schlechtes Gewissen, obwohl wir ja alles versucht hatten, um ihr zu helfen... Da der Kreuzbandriss, bzw. -anriss schon so lange bestand, haben sich nun im Knie leider schon einige Arthrosen gebildet, das Knie wird immer ihre Schwachstelle bleiben. Die TPLO hat 1.000 Euro gekostet, viel Geld, aber wir können sagen, dass jeder Cent davon es wert war!! Fly vor gut einem Jahr: Ein Bild des Leidens, das rechte Hinterbein befand sich nur noch in der Luft.
Den Heilungsverlauf positiv beeinflusst hat sicher auch der vergangene Sommer, bzw. die Tatsache, dass Fly diese heißen Monate mehr oder weniger nur in ihrem geliebten Neckar verbracht hat, in dessen Nähe wir ja glücklicherweise wohnen!
Mein ganz besonderer Dank gilt an dieser Stelle unserem Tierarzt, Dr. Josef Meurer, aus Mannheim- Strassenheim, der mit viel Einfühlungsvermögen und Wissen innerhalb von Minuten erkannt hat, welches wirklich die schmerzhafte Stelle an Fly war.... Ein prima Tierarzt, der sich Zeit für seine Patienten und deren Besitzer nimmt!!
Sabine Linsin |